Liebesgeflüster über eine Nudel

Liebe geht durch den Magen – sagt man. In Kärnten ist das anders. Dort entscheidet die Kunst der Kärntner-Nudel-Fertigung über die Liebe.

Was grotesk erscheint, legt eine alte Weisheit auf den Tisch: „A Madl, des net

krendeln kann, des kriagt kann Monn.“

 

Die Kärntner Küche vereint sich mit zwei weiteren Kulturkreisen zu einem kunterbunten kulinarischen Reigen. Die genussreiche Vielfalt des Alpen-Adria Raums lässt viele Herzen höher schlagen. Traditionell, bodenständig und abwechslungsreich greife ich heute zum Kochlöffel und präsentiere drei Kärntner Schmankerl: Sasaka, Kärntner Kasnudel und einen Kärntner Reindling.


Unter Zugzwang: Von Tradition und süßer Vorfreude

Mit dem ersten Weihnachtsdekozeugs, das ich aus dem Keller krame und mit dem ich der Wohnung einen leisen aber fernab von kitschigem Adventlook verpasse, traditionell die riesen Filzsocke über dem Kamin drapiere, gehört ganz nach Häferlguckerinmanier ein Häferl Punsch und mindestens ein Weihnachtskekserl dazu. Und mit einem Schlag stehe ich unter Zugzwang. Denn es ist nicht nur bereits das erste Adventwochenende, sondern die erste altmessingfarbene Weihnachtskugel hängt schon und der zinnfarbene Nussknackeraufhänger grinst bereits von der saisonal gestaltbaren Vorzimmeraufhängung runter.

 

Dann öffnet man eine Schublade  und zum Vorschein kommen Keksausstecher. Einer schöner als der andere. Als würden sie ahnen, was ihnen im nächsten Augenblick blüht... 

Der perfekte Zeitpunkt, meine ich. Aller höchste Zeit, die kleinen Freunde aus ihrem Sommerschlafquartier zu holen. Ein klarer Auftrag, Kekse zu backen. Und ein wenig davon zu naschen.


Rausgepickt: Nostalgie über unwillkommene Zutaten

Wie viel Zeit habe wir als Kinder wohl mit dem Rauspicken von Zutaten verbracht, die uns nicht schmeckten. Erbsen aus dem Reis wurden zielsicher auf den äußersten Tellerrand geschossen und aufgereiht, Rosinen fein säuberlich vom Rest des Apfelstrudels getrennt oder aus dem Topfenstrudel gepickt. Und nur ja kein Stück Champignon auf der sonst so leckeren selbstgemachten Pizza erwischen. Jeder Bissen wurde nach dem ersten Sondierungsdurchgang nochmals mit der Gabel bis ins kleinste Detail inspiziert, ob auch  keine unliebsamen Bestandteile übersehen wurden.

 

Erbsen waren neben Rosinen und Schwammerln jeglicher Art meine drei Zutaten, die ich so gar nicht ausstehen konnte, vor denen mir graute und noch heute ekelte. Wenn es auch früher nicht geklappt hat, meine Mama oder Oma davon zu überzeugen, diese von mir so unwillkommenen Ingredienzien erst gar nicht ins Essen zu geben, heute kann ich es mir glücklicherweise selber richten. Ich lasse sie einfach komplett weg oder suche nach Alternativen.

Zwei garantiert rosinenfreie Rezepte...


Oma´s süßes Küchengeheimnis

In meiner Kindheit war das immer ein großer Tag, wenn die Oma Germknödel gemacht hat. Ihre Wohnung verwandelte sich kurzerhand in eine kleine Backstube. Der Duft von Zimt und frischer Germ lag in der Luft. Die Küche war eingehüllt in einen Mehlschleier, es schien, als würde feiner Nebel durch die Wohnung ziehen. Die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster lachten, taten ihr Übriges dazu.

Die Küche wohlig warm, sodass der Germteig ordentlich aufgehen konnte. Die fertig geformten Knödel warteten ungeduldig unter einem weißen Leinentischtuch auf ihren großen Auftritt, im großen Kochtopf über Dampf gegart zu werden - und ich beobachtete jeden Handgriff. Und wehe, ich wagte einen Blick unter das Tischtuch um zu bewundern, wie die weißen mit Powidl gefüllten Germkugeln immer größer wurden - ein kalter Lufthauch ließ sie im Nu in sich zusammen fallen - weniger zur Freude meiner Oma.

 

Das Rezept, die Tricks und die Liebe zu den Germknödeln sowie das kleine Büchlein mit den Familienrezepten habe ich von meiner Oma geerbt, heute lüfte ich ihr zuckersüßes Küchengeheimnis.  


Wenn Genuss Karussell fährt

Nächster Halt der Österreich-Tournee: Steiermark

 

Die Steiermark ist wie eine Karussellfahrt.

In Sekundenschnelle wechseln unverkennbare, sanft hügelige, romantische Weinstraßen mit schroffen Bergfelsen.
Augenblicke verstreichen und man befindet sich in der pulsierenden Kunst- und Kulturszene von Graz. Vorbei an der Lipizzanerheimat, dem Wanderparadies rund um Dachstein und Hochschwab oder dem Schilcherland.
Rauf und runter geht´s weiter durch die idyllisch in allen Farben des Herbstes schimmernden Weinhänge der Süd & Weststeiermark. Sie sind das Synonym authentischer Weinkultur auf höchstem Niveau und purem Lebensgefühl.
Eine Sonderfahrt lädt ein, den Weinjuwelen und die durch den trockenen Ausbau besonders stark geprägten Charaktere herkunftstypischer Sorten näher zu kommen.
Steigt ein und fährt mit!

Kindheitserinnerungen im Suppenteller

Als Kinder waren wir doch zumeist alle ziemliche Suppenkasper. Stand jedoch Buchstabensuppe am Speiseplan, wendete sich das Blatt schlagartig und im Nu erfreute sich die Mahlzeit größter Beliebtheit. Es bedurfte beinahe schon physikalische Fähigkeiten,  die Buchstaben von der heißen Rinderbrühe zu trennen. Denn alles was zählte, war Buchstaben zu suchen und Wörter zu bilden. Die Suppe selbst - vom Gemüse ganz abgesehen - blieb meist übrig.

Um kaum eine andere Suppe ranken sich so viele Kindheitserinnerungen.  Wer hat es damals nicht ausprobiert, seinen Namen aus den kleinen, feinen Buchstaben aus Hartweizengrieß zu legen. Zumal uns Fragen über Fragen beschäftigten: Ist in der kleinen Verpackung wirklich immer das komplette Alphabet, sind alle 26 Buchstaben gleichmäßig verteilt, oder kommen manche Buchstaben häufiger vor als andere und wie wird die Suppeneinlage überhaupt produziert, wie entstehen die Buchstaben?  

Das waren die wahren Fragen des Lebens, die uns in der Kindheit bewegten.

Ein Flashback.