Auf der Suche nach La Dolce Vita

Ach, wie mir selbst diese ohrenbetäubenden Rufe "Bello-coco-coco-bello" oder "Lucki, lucki, good price" der Geschäftemacher und Strandhändler am Strandabschnitt Oberitaliens abgehen.... 

 

Die Rastzeit meines Pastateiges und ein kurzes Nickerchen in der Nachmittagssonne im Liegestuhl lässt mich einen kurzen Nostalgietrip auf einen Küstenabschnitt Oberitaliens machen. Das Klingeln der Küchenuhr holt mich jedoch zurück in die Realität. Und die Suche nach einer Prise Dolce far niente geht nahtlos weiter. So wie die unbändige Liebe zur italienischen Küche. 

 

Italien bereisen, Aperol-Spritz in einer Strandbar trinken und Dolce far niente finden – drei Dinge, die ich mir für diesen Sommer fest vorgenommen habe – die Reihenfolge ist dabei zweitrangig.  

 

Heute starten wir mit selbstgemachten Tagliatelle, Panzanella und Blutorangen-Grapefruit-Sorbet mit Aperol und lassen es auf uns zukommen, was da noch folgen mag. 


Im Rhythmus der Jahreszeiten

Kein Gourmetkoch kann mit Omas Küche mithalten, da können noch so viele Sternderln, goldene Schürzerl, Kochlöffel oder was es auch immer an Auszeichnungen verliehen worden sein - an Oma´s Rezepte und Geschmacksinn in der Küche kommt nicht so schnell jemand ran. Aber warum ist das so und warum wollen wir gerade jetzt so kochen, wie damals Oma?

 

Omas Essen hat mit Erinnerungen und Emotionen zu tun. Denke ich an meine Kindheit zurück, hat es bei Oma nicht nur  am Besten geschmeckt, sie lehrte uns auch, dass in Verbindung mit regionaltypischen Produkten, jede Saison für sich wirklich Großartiges bietet. Daher sollten wir wieder mehr auf Oma hören. Und uns wieder mehr in der eigenen Küche im Rhythmus der Jahreszeiten bewegen.

 

Geht es um Themen wie Saisonalität und Regionalität, Nachhaltigkeit, steckt auch in Snack-Ideen und in der Resteverwertung  Besonderes. Heute kredenze ich regionale Snacks, wie Zucchini-Schafskäse-Bällchen mit Tsatsiki, selbstgemachte Mini-Burger und Apfel-Walnuss-Gugls. 


Die Wandlung unscheinbarer Faszinationen

Meine ersten Stunden auf Skiern sind zwar schon einige Jahre her, aber an ein Detail kann ich mich noch ganz genau erinnern. Skifahren war etwas, was man früher ganz selbstverständlich gelernt hat. Kaum war ich drei Jahre alt, ging es ohne Umwege ins Pistenvergnügen. Schon die erste Abfahrt endete für mich fatal. Trotz allem stand ich das Jahr darauf wieder auf den Bretteln. Und viele Jahre danach auch. Kaum ein Skicircus endete ohne nassem Hintern, die Faszination am Skifahren war allerdings ungebremst.

 

Heute tausche ich Pistengaudi mit einer Liebesaffäre der einfachen Sorte, die in Sekundenschnelle unsere Begierde nach Sättigung stillt. Zum Glücklichsein muss es allerdings nicht immer kräftig-deftig oder zum Dahinschmelzen süß sein. Mein Rundum-Glücklich-Menü für kalte Wintertage: Maronicremesuppe mit Apfel-Nuss-Topping, Linguine mit gebratener Ente und karamellisiertem Radicchio und gebackene Apfelradeln in Zimtzucker - wahre Seelentröster für Fortgeschrittene. 

 

Lasst es euch gut schmecken!


Genuss in Rot-Weiß-Rot

Es wirkt fast ein bisschen so, als würde der Sommer dieses Jahr ein Sommer der besonderen Art sein. Noch blumiger, aromatischer im Geruch; saftiger, vollmundiger im Geschmack und die Farben noch intensiver leuchten als sonst. Als würde sich die süß duftende Jahreszeit in nur einer einzigen Frucht – einer Marille – widerspiegeln.

 

Nur die österreichischen Schmankerl, die sind immer noch dieselben – wie jedes Jahr um diese Jahreszeit. Mit einer Ausnahme: Corona hat der Dimension der heimischen Küche einen neuen Aufschwung verpasst, die Bedeutung vielmehr wiederentdeckt und sie zurückgebracht – zurück zum Ursprung. Das war eines der guten Dinge, die Corona vorgebracht hat.

 

Darum machen wir heute fix auf Patriotismus und gestalten mit einer Frittatensuppe, einem Wiener Schnitzel und einer Sachertorte im Glas mit selbstgemachter Wachauer Marillenmarmelade eine Symbiose aus Tradition und Moderne. 

 

Lasst es euch gut schmecken!


Auf Schatzsuche. Ein Streifzug durch unwiderstehliche Kostbarkeiten.

Gleich direkt hinter unserem Gartenzaun, diesseits der Uferböschung des Mühlbaches, wachsen seit Jahren zwei Hollersträucher. Noch nie sind sie mir so richtig aufgefallen. Vielleicht, weil die Holunderblüten heuer besonders süß duften. 

Einmal mehr wird mir bewusst: Das Gute liegt so nah. Unzählige Juwele sind unmittelbar vor unserer Haustüre zum greifen nahe. Vieles haben wir bisher schlichtweg einfach nicht wahrgenommen. 

 

Dieser Sommerbeginn hat irgendwie etwas Besonderes - auch weil an diesem Jahresabschnitt besonders viele Erinnerungen haften. Und der Juli schreit gerade nach Rezepte, die Appetit auf ein Stück Geschichte machen. Der beste Zeitpunkt also, einen kulinarischen Streifzug durch Omas Kochbücher zu unternehmen.  Schatzkarte benötigen wir dazu allerdings keine. Viel Liebe, Heimatverbundenheit, Zutaten aus der Region und die die Saison gerade so zu bieten hat, reichen da vollkommen aus. 


Quick and dirty - Rezepte, die uns das leben versüßen

Mit dem Küchenmixer und dem Kochlöffel nach einer quasi zwangsverordneten und nach wie vor anhaltenden Selbstversorgerquarantänezeit auf Du und Du, die Küche neu entdeckt und mittlerweile ebenso zur Erkenntnis gekommen, dass man eigentlich mit dem was man daheim im Kühl-und Vorratsschrank hat, irrsinnig viel kochen kann, wenn man nur ein bissl kreativ und flexibel ist? Über den Tellerrand geblickt, wagemutig völlig unbekanntes Terrain betreten - wie so viele hunderttausende mehr oder weniger kochbegeisterte Österreicher und Österreicherinnen auch - weil aus keinem mir plausibel erklärbaren Grund wäre das Backtreibmittel GERM, neben Toilettenpapier, zum nachgefragtesten Lebensmittel Nummer eins der letzten Zeit geworden? Nach wie vor der ganz normale Corona-Wahnsinn, der auch in der neu angerissenen siebenten Woche, oder eben gerade deswegen, den abendlichen After-Home Office-Work-Drink aber sowas in die Birne fahren lässt? Oder doch schon am Weg zurück zur Normalität? Doch was ist schon normal?


Mach' dich vom Acker

Das schöne an Ostern ist, dass es selbst dann kommt, wenn die ganze Welt Kopf steht. Das weniger schöne: Der Wiedereinstieg in das echte Leben wird verschoben. Auf weit nach Ostern. Nicht lustig. Gar nicht lustig.

 

Ob sich da jemand von der Bundesregierung überlegt hat, wie kontaktloses Eierpecken funktionieren soll? Pecken mit zwei Metern Abstand? Ha?

 

Dem Osterhasen ist's schnuppe. Denn ob große Eier, kleine Eier, harte Eier, gebratene, gerührte oder bunte Eier - Meister Langohr legt nach wie vor keine Eier. Auch jetzt nicht. Daran hat selbst Corona nichts verändert. Maximal legt er sie - auch trotz Corona - ins OsternestWas wäre wohl das Leben ohne Risiko? Wie Kochen ohne Salz. 

 

Eine Erkenntnis, die ich in den letzten drei Wochen, Woche für Woche noch gewonnen habe: den zum bersten gefüllten Kühlschrank nach System, wenn nicht zu sagen nach Plan, zu entleeren. So wie ich ihn auch mit System befüllt habe. Denn wir - wir konzentrieren uns auf das, was wirklich zählt: Genussmomente ohne Ende - mit oder ohne Risiko - Corona, mach dich vom Acker!


Happiness - Zwischen Melancholie und Gaumenspielerei

Irgendetwas ist heute anders als die Tage zuvor. Gut, es ist Samstag. Es ist aber kein gewöhnlicher Samstag. Die jüngsten Meldungen versetzen mich in Schockstarre und in der gleichen Sekunde holen sie mich runter - ganz weit. Auf den Boden der Realität. Etwas was so weit weg und unerreicht schien, ist nicht nur in greifbarer Nähe, es hat uns mittlerweile erreicht, es ist eingezogen, hat sich eingenistet und sich breit gemacht. Nein, nicht nur in Österreich, in ganz Europa und weit, weit weg in den USA. Bis mir dann die Erkenntnis gedämmert ist, wie schnell sich doch das Leben ändern kann...  

Über eine Woche später hat sich die Situation noch nicht wirklich entspannt. Im Gegenteil. Die Sorgen sind gewachsen, mit ihnen aber auch die Zuversicht, Prioritäten haben sich verschoben. Vermeintlich Wichtiges erscheint plötzlich völlig unwichtig. Soviel Raum auch die Coronakrise in meinem Leben einnimmt, umso mehr besondere Genussmomente braucht es, die uns das Leben versüßen. 

Viel Spaß mit meinen Gaumenspielereien, die Corona möglich gemacht haben.


Zuagroast

Küss die Hand. Ein einziger Augenblick – und dann kam Mister Right. Er meinte, es wäre Zeit. Raus aus Wien, rein ins schöne Niederösterreich. Das war vor acht Jahren. Einige  Jahre ist es nun bereits her, als ich dann schließlich beschloss zuzureisen, um zu bleiben. Zu entdecken gibt es hier viel. Jede Region Niederösterreichs hat ihre Spezialitäten und Köstlichkeiten. 

 

Auf meinem kulinarischen Streifzug durch das größte Bundesland Österreichs verknüpfe ich Altes mit Neuem: Gefinkeltes Dinkelbrot, im Päckchen gebackene Forelle und g‘wuzelte Mohnnudeln - übrigens eine meiner Lieblingsspeisen. Schupfnudeln sind fingerdicke Teigwaren aus einem flaumigen Kartoffelteig. Und wie der Name schon verrät, wird der Teig zum Formen der Nudeln mit der Handfläche hin und her gewuzelt. Oder eben geschupft. 

 

Findet neben diesen drei niederösterreichischen Gustostückerln einen kleinen Auszug aus meiner Lebensgeschichte.


Die Hochbeetliebelei: Aus der Erde auf den Tisch

Vor allem in mediterranen Regionen wie Italien und Spanien hat sie Kultur: die Salzkruste als besonders schonende Garform von Fisch oder Geflügel. Aber nicht nur dafür eignet sie sich perfekt. Auch Wurzelgemüse, wie etwa Rote Rüben, geben eine unwiderstehliche Figur im Salzkleid ab. 

Unser Hochbeet ist voll damit. Jahr für Jahr übertreiben wir es mit den kleinen Setzlingen und wundern uns immer wieder erneut über die wundersame Vermehrung. Mein Schatz liebt sie - in jeder Form. Ich nicht.

 

Heute gönne ich den hübschen Roten Rüben aus eigenem Anbau eine hermetisch abgeschlossene Kruste aus Meersalz, wodurch die Hitze während des Garvorganges nur indirekt auf die Rüben einwirkt. Kein Saft entweicht, das volle Aroma bleibt erhalten und  die Rüben werden butterweich. Damit werden die Rüben, denen ich sonst nicht viel abgewinnen kann, nicht nur zum genussvollen Hauptdarsteller, sondern zu einer wahren Liebelei - auch für mich.